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Teofilo Chantre
Azulando (Tropical Music/BMG)
Traditionelle Sounds von Kalkutta bis Wer auf den kapverdischen Inseln lebt, den begleitet das Blau des Meeres und des Himmels durch den Alltag. Teofilo Chantre, der zwar seit 15 Jahren im Pariser Exil wirkt, aber in seinen Liedern stets ein gewisses Heimweh thematisiert, hat die Palette der Blautöne gar zum Titel seines neuen Albums gekürt: Blau ist für mich verbunden mit der ‚Sodade´, gibt er denn auch zu. Wie auf den Vorgänger-CDs schafft es Cesaria Evoras Songschreiber auch hier, mit Variationsgeschick zwischen Bossa-Flair, Late Night Jazz und den kreolischen Klängen der Morna und Coladeira die Melancholie aufzulockern. Barpiano und die glitzernden Harmonien der Ukulele ziehen sich fein austariert durch die Arrangements; mit einem mal nostalgietrunkenen, mal tänzerischen Akkordeon, sowie einem vietnamesischen Geiger erhält der Mix seine unorthodoxen Koloraturen.
Am meisten Gewinn hat man von diesem sanften Insel-Opus, wenn man Chantres Texte parallel liest - dankenswerterweise hat die Plattenfirma diese im Booklet ins Deutsche übertragen. Da ist die zärtliche Rede von leuchtend blauen Kornblumen, deren Tanz das Liebesspiel begleitet, von der zerbrechlichen Erdenkugel, von den Mühen des Vagabundierens - und immer wieder dem schattierungsreichen Zauber des Eros. Zwei Gäste aus der lusophonen Welt runden Chantres swingende Symphonie in Blau ab: Die Evora selbst duettiert in einem Mutter-Sohn-Dialog und die rauen Stimmbänder des Angolaners Bonga ertönen unverkennbar in einer schmissigen Hymne auf Chantres Heimat-Archipel. Hier kann man die Seele baumeln lassen und muss noch nicht einmal die Hängematte beanspruchen.
review: Stefan Franzen
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