|
 |
Sväng
Jarruta
(Aito Records/Just Records Babelsberg)
Ein Herrenquartett und ein
Sack voller Mundhobel, sonst nichts. Das hört sich zunächst
nach einer musikalischen Abmagerungskur an - bis man beim Hören
sehr schnell eines Besseren belehrt wird. Die vier Finnen frönen
wie niemand vor ihnen der Blues Harp, ob diatonisch oder chromatisch,
ob virtuos oder seelenvoll, ob fröhlich aufbegehrend oder abgrundtief
traurig: Der Balkan und der finnische Gypsy-Blues, die Polka und der
Tango, auch Lucky Luke werden ins mal überschwängliche,
mal archaische, mal komische, mal melancholische Universum der Harmonikas
hineingezogen.
Und von denen spielen die Skandinavier eine ganze Großfamilie:
Das Melodieinstrument kann schreien wie ein Grashalm, die Bass-Harmonika
dagegen gibt mal das Sousaphon und mal den Ochsenfrosch. Und zwischen
diesen Extrem-Registern wird gejammert und gejauchzt, mit Reminiszenzen
an den versonnenen Spielmann, den blinden Blueser und den verschmitzten
Trickster. Ein wahrhaft orchestraler Sound, der nichts neben sich
dulden könnte. Das simple Prinzip der durchschlagenden Zunge
– hier wird es aufs Kurioseste kultiviert.
review: Stefan Franzen
permanent link:
svaeng-jarruta.html
|