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blue rhythm. review
Virginia Rodrigues - Mares Profundos
 
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Virginia Rodrigues
Mares Profundos
(edge music/Universal)

Brasiliens schönste Altstimme meldet sich mit einem legendären Songzyklus zurück. Die „Afro-Sambas“, 1962 von Vinicius de Moraes und Baden Powell in Rio ins Leben gerufen, sind bei der Bahianerin in guten Händen: Die rituell aufgeladenen Gesänge spielen mit Volksmotiven ihrer Heimat und sind wie geschaffen für Virginias sattes, klassisch gebildetes Timbre.. „Ich habe einen Hang zum Dramatischen“, bekennt die Anti-Diva, „und in diesen Cantos liegt viel Dramatik. Gemäß meinem Naturell wollte ich das herausarbeiten, mit einem Akzent auf der Klassik, durch Streicher, Blechbläser und den Chorus Actus 5, das ist das Ensemble meines langjährigen Gesangslehrers.“

Das Ergebnis kann sich hören lassen: Kaum wiederzuerkennen sind die Songs, die ursprünglich vom bärbeißigen Gesang Vinicius´ und der etwas ruppigen Saitenkunst Powells gekennzeichnet waren. Gitarrist Luis Brasil hat zusammen mit Virginia und dem als künstlerischem Leiter fungierenden Caetano Veloso Arrangements mit elegantem Fluss erarbeitet. Die dunklen, fast mythisch anmutenden Vokalisen thronen in mal reduziertem Setting mit Gitarre und Samba-Perkussion, mal geht es orchestral-flächig zu wie im überragenden „Canto de Iemanjá“, der Widmung an die afro-brasilianische Meeresgöttin.

Die Gottheiten, sie sind omnipräsent in diesen Liedern, die von der Religion der Schwarzen Bahias, dem Candomblé erzählen. Das geschieht einmal mit hymnischem Ernst, wie im berühmten „Canto de Ossanha“, der einst fast zum Bossa-Welthit avancierte, dann wieder in unbeschwert swingender Festtagslaune, munter untermalt durch Holz- und Blechbläser-Einwürfe.

review: Stefan Franzen