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Mário
Lúcio
Badyo
(Lusafrica/Rough Trade)
Er ist der große Vordenker
der kapverdischen Musik, ein Avantgardist der Kreolisierung, ohne
dass seine Musik jedoch verkopft wäre. Auf dem Cover seiner ersten
Solo-CD trägt der Sänger und Dichter, der bei einem Weltmusikpublikum
schon mit der Gruppe Simentera bekannt wurde, zum feinen weißen
Zwirn noch die Kette eines Sklaven um den Hals. Allerdings ist sie
durchgeschlagen - packender könnte das Gedenken an Befreiung
nicht in Bildern umgesetzt werden. Und diese Befreiung äußert
sich auch musikalisch. Wurden die afrikanischen Facetten der Kapverden-Kultur
stets von den Kolonialherren unterdrückt, ist Mário Lúcio
dafür verantwortlich, dass sie nun in all ihrer Strahlkraft wieder
zum Vorschein kommen, versöhnt mit den europäischen Einflüssen.
Auf „Badyo“ kreiert er Polkas und Mazurkas mit wippendem
Akkordeon, dann wiederum übernimmt ein stampfender Perkussions-Unterbau
die Regie, in dem die ursprünglichen Rhythmen der Schwarzen mit
den klangvollen Namen Funana und Tabanka präsent sind. Ukulelen
und raue Kratzgeigen wohnen in den Arrangements, aber auch bedächtige
Pianoläufe im Einklang mit erfindungsreicher Gitarrenbegleitung.
Mundhobel und Slide präsentieren gar eine Art kreolisierten Blues.
Im Hintergrund vernimmt man Frauenchöre und grummelnde Vokallinien,
die noch nicht die Politur der gestylten Weltmusik von heute abbekommen
haben. Mário Lúcios Stimme selbst hat auch diese Unreinheit,
die ein besonderes Charisma erzeugt – das eines stolzen und
doch feinfühligen Poeten mit Mut zur großen Gesamtschau
über die Geschichte seiner Inseln.
review: Stefan Franzen
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