Márcio Faraco
Com Tradição
(EmArcy/Universal)
Der Prophet gilt nichts im eigenen Land - das musste Senhor Faraco jahrzehntelang erfahren. Der brasilianische Songwriter erfuhr seinen Durchbruch spät in Paris und kehrt mit seinem dritten Opus nun triumphal in die tropischen Gestade zurück, denn Com Tradição wurde vorrangig in Rio produziert. Faraco kreiert fein fließende Samba-Poesie, die die Bittersüße der Favelas und die Nordost-Tänze fast magisch ins moderne Songwriting übersetzt, auch mal Anleihen bei Paul Simon nimmt.
Selten hat man in den letzten Jahren so detailverliebte, dabei völlig unaufdringliche Arrangements aus Brasilien gehört. Da näselt ein Fagott in einer Cartola-Adaption, eine Bassflöte windet sich durch einen relaxten Baião. Jobims Kinderklavier ziert einen intimen Chanson. Perkussionist und Mino Cinelu bereichert einen urtümlichen Nordost-Groove. Doch alle Finessen dienen nur dieser unglaublich smarten Stimme, die schon ein wenig an Caetanos Schmeicheleinheiten erinnert.
review: Stefan Franzen
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