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Jazz thing 63
Nummer 63
April/Mai 06

blue rhythm. review
Ensemble DRAj - Kinderjorn
 
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Ensemble DRAj
Kinderjorn
(Laika/Rough Trade)


Die Adaption von jddischen Liedern und Klezmer durch deutsche Gruppen war lange Zeit in Mode, hatte auch viel mit Gewissensnot und Vergangenheitsbewältigung zu tun. So wichtig dieser musikalische Anti-Reflex zu den Gräueltaten der Nazis war, hat das Ensemble DRAj dem jiddischen Lied nun dazu verholfen, sich von diesem politischen Überbau zu lösen. Das geschieht nicht mittels eines angestrengten Kraftakts, sondern mit den reduzierten, spielerischen Mitteln eines Trios. Aus der Perspektive eines Heranwachsenden wird das - für uns ott - hermetische Leben im Shtetl beleuchtet.

Texte von Dichtern des frühen 20.Jahrhunderts, unter ihnen der sagenhafte Poet Mordechaj Gebirtig, gewandet man in pointierte Arrangements mit Cello (Ludger Schmidt) und Akkordeon (Ralf Kaupenjohann). Die umspielen immer wieder effektvoll mit tänzerischem Pizzicato, in expressiven Intermezzi und abwechslungsreichen Registern die warm deklamierende Stimme von Manuela Weichenrieder. Die Lehren des Rabbi, anrührende Lyrik des Verliebten, die neckische Stimmung eines Frühlingstages, Prophezeiungen von Jesaja, Melancholie eines Alternden - all das wird in diesem lebhaften Einblick in eine vergangene Welt eingefangen. Geistreiches Liedgut, in dem Gedenken still mitschwingen kann.

review: Tim Riess

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