|
 |
Eastenders
Along The Path (Poets Club Records/PP Sales Forces)
Traditionelle Sounds von Kalkutta bis Kairo mit Herz und Hirn fit für den Club zu machen, dass haben schon lange nicht mehr die Kreativköpfe der British Asian-Szene für sich gepachtet. Sollte man die führenden nah- bis fernöstlichen Global Dance-Pultmeister aus Deutschland benennen, dann rangiert ein Projekt aus dem Rhein-Main-Gebiet mit Sicherheit auf einem Ehrenplatz. Hinter Eastenders steckt diesmal nicht die Endlos-Soap aus Britannien, sondern - wie man in Frankfurt schon seit einigen Jahren weiß - Stefan Müller. Seine Handschrift als Kompilator hinterließ er schon auf den geschätzten Orientation-Samplern hinterlassen. Für sein Debüt traf er sich nun mit dem Wiesbadener Deutschtürken Afrit; beide ließen vor dem Pult eine ganze Latte interessanter Vokal- und Instrumentalgäste live vorbei defilieren.
Along The Path hat - und damit setzt es sich deutlich von den Asian Underground-Fabrikaten ab - einen unverkennbaren Spin Richtung Türkei und Balkaneskem abbekommen. Gleich im Auftakts-Track rappt Sultan Tunc zu orientalischen Streichern und funkiger Wah-Wah-Gitarre. Loungig wird in Tender das gesamte traditionelle türkische Instrumentarium ausgepackt. Im packenden Vino Vino kollidieren dann gar Gypsy-Bläser à la Bregovic mit zackigen Drum&Bass-Mustern. Damit aber nicht genug: Müller und Afrit kombinieren marokkanische Gnawa-Zeremonien mit biegsamem Akustikbass, ägyptischer Gesang und Raks Sharki-Grooves treffen sich unter der Disco-Kugel und sphärisch besinnt man sich auf Hermann Hesses Indiendichtung. Ein unmittelbar wirkendes Sound-Narkotikum für Ohren und Beine, ein Hörfilm mit eingewobenen Traumszenen von Indien bis Istanbul. Und der kommt ganz ohne Untertitel aus.
review: Stefan Franzen
|