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Jazz thing 75

blue rhythm. review
Armenian Navy Band - Natural Seeds
 
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Armenian Navy Band
Natural Seeds
(Heaven&Earth/Harmonia Mundi)

„Gehören Konzeptalben nicht einer vergangenen Epoche an?“, möchte sich fragen, wer das neue Werk von Arto Tunçboyaciyans zwölfköpfiger Truppe zum ersten Mal in Augenschein nimmt. Der Armenier, der seit mehr als drei Dekaden grenzenlos zwischen europäischem Jazz und kaukasischer Tradition komponiert und musiziert, hat sich mit der Armenian Navy Band seine eigene Königsdisziplin geschaffen. In den Werken des Kollektivs fließen seine abendländischen und afro-amerikanischen Impro-Erfahrungen mit der im besten Sinne volkstümlichen Sprache der Heimat zusammen. Auf dem dritten Opus der Truppe, die sich als kulturelle Arche begreift, die zuversichtlich in die Zukunft blickt, als Avantgarde Folk-Unternehmen, rührt man an die fundamentalen Dinge des Lebens.

In einer 50minütigen, durchkomponierten Suite werden zur klanglichen Umsetzung von „Ozean“, „Sonne“, „Erde“ und „Leben“ eine Menge Stilmittel und Arrangement-Kniffe aufgefahren, ohne dass das Resultat in einer bloßen Materialschlacht enden würde. Mit großer orchestraler Geste von Orffschem Zuschnitt beginnt der Spannungsbogen, bildet das mächtige Strömen der Wasserwege ab. Duduk und Fiedel streuen nur einzelne folkloristische Töne ins Symphonisch-Flächige ein. Tänzerisch und schließlich mit ungebändigten freien Jazz-Passagen auf dem Sax tritt der Mittelteil auf, der im „Feuer“ endet. Im finalen Teil schließlich kommen die traditionellen Instrumente wie Hackbrett, Flöte und Spießgeige solistisch zur Geltung, Orchester und Chor ergehen sich in fröhlichen, nah- bis fernöstlich gefärbten Melodien.

Konzept gelungen: Eine bezwingende Suite, der man mit der Umschreibung symphonischer Folkjazz nur in Ansätzen beikommen kann.

review: Stefan Franzen