Alison Krauss and Union Station
Lonely Runs Both Ways
(Rounder/in-akustik)
Sollte die Anzahl der gewonnenen Grammys tatsächlich etwas über die Qualität von Musik aussagen, dann müsste Alison Krauss längst im Olymp zur Ruhe gekommen sein. Siebzehn dieser Trophäen stehen bei ihr zu Hause, kassiert in allerlei diversen Kategorien. Legt man den entsprechenden Maßstab an die neue Platte an, scheinen die bisherigen Ehrungen gerechtfertigt. Alison gelang ein nicht ungefährlicher Spagat zwischen Pop hier und mit Erde gesättigtem Countryfolk und Bluegrass. Gefährlich deshalb, weil man im Pop ganz schnell den Fuß nicht mehr aus dem Sumpf heraus bekommt. Davor bewahrt die routinierte Begleitband Union Station die 32jährige. Vom Sumpf zu sprechen erlaubt nur eines - wenn die Musik richtig brackig nach muddy water klingt.
Auch diesen Akzent beherrscht Alison Krauss auf dem Studioalbum, das zwei Jahre nach Live entstanden ist. Insbesondere wird sie dabei von Dan Tyminski unterstützt, der drei der fünfzehn Songs einen wunderbar grob gestrickten Mantel verpasst. Dessen Stimme und das Dobro-Spiel von Jerry Douglas bringt die raubauzige Würze in die Musik. Krauss selbst beschert mit einer elfengleichen Stimme eine angenehme Atmosphäre, hinter der sich die Stolpersteine des Lebens verstecken. Als sie siebzehn war, verließ sie ihr Zuause, singt sie im ersten Titel Gravity. Wahrscheinlich war das die richtige Entscheidung, sonst wäre womöglich der Musikwelt ein Talent vorenthalten worden.
review: Klaus Hübner
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