Elektronischen
Ballast hatte Mari Boine (Foto) kürzlich aufgeladen,
um sich seiner nun auf ihrer neunten, aktuellen CD „Sterna
Paradisea“ (EmArcy/Universal) wieder weitestgehend zu entledigen.
Gedämpfte Trompetentöne, folkige Begleitgitarren, grummelnde
Schamanenstimmen, viel Hall und ein Verzicht auf die ihr sonst so
eigene rhythmische Stringenz prägen dieses Werk. „Nie
war Mari Boine so sanft“, verspricht die Plattenfirma –
auffallend in den Arrangements sind auch einige Zulu-Stimmen.
Entschieden mehr Biss gibt’s bei den Valkyrien All
Stars (Heilo/Galileo) aus Oslo, die die Tradition des Hardanger-Fiedelns
fast punkig aufladen. Gleich drei Fiddles, gespielt von Tuva
Livsdatter Syvertsen, Ola Hilmen und Erik Sollid
treffen auf Bass und Schlagzeug und die kernige Stimme der ebenso
als Sängerin agierenden Syvertsen. Folk-Avantgarde, die traditionelles
Spielmannstum mit Vertonungen von Kurzgeschichten und Experimenten
aus anderen Genres verklammert.
Ganz anders gelagert ist die Electrofolk-Welt von Valravn.
Schon bei den ersten Takte von „Koder På Snor“
(Westpark/Indigo) erkennt auch das ungeübte Ohr eines der unverschämtesten
Björk-Plagiate der nördlichen Hemisphäre. Die Nähe
der färöischen Frontfrau Anna Katrin Eglistrøð
zu Frau Gudmundsdottir ist unheimlich - doch das Quintett setzt
auch auf persisches Hackbrett, Drehleier, Mandola und Flöten,
die sich in eine düster programmierte Klanglandschaft fügen.
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