Die
gewalttätigsten Tage seit der Revolution von 1974 erlebt derzeit
das kleine westafrikanische Land Guinea-Bissau: Nach der Ermordung
des Präsidenten und seines Gegners im März wurden am 6.
Juni der Präsidentschaftskandidat und ein Parlamentsmitglied
umgebracht. Inmitten der Agonie, die das Land nun erfasst hat, setzt
die neu formierte Rap-Bewegung „Big Up GB“
ein Zeichen: Sie haben sich im einzig funktionierenden Aufnahmestudio
zusammengefunden und ein Mixtape mit dem Namen „Nunde Ka No
Na Bai“ (Wohin gehen wir?) aufgenommen, um für Erneuerung
in einem Staat zu kämpfen, dessen soziale und politische Infrastruktur
vom Drogenhandel zerfressen wird. Ein musikalischer Eindruck dieses
Tapes, an dem 16 Bands beteiligt sind, gibt's bei Nomadic
Wax.
Vom sicheren Lissabon aus setzt ein anderer Bissau-Guineer Akzente:
Mit Kimi Djabaté startet das Label Cumbancha
nun seine angekündigte Discovery-Serie. Der 34jährige
Griot und Balafonspieler bewegt sich auf der Pilot-CD „Karam“
musikalisch zwischen der Manding-Tradition und leichten kreolischen
Einflüssen, erinnert stimmlich bisweilen an Salif Keita, von
der Klangatmosphäre her sind Verwandtschaften zu Habib Koité
und Ali Farka Touré zu entdecken.
|