Die
Folksängerin Odetta ist am 2. Dezember im Alter von 77 Jahren
in New York gestorben. Geboren in Birmingham, Alabama, wurde sie
zunächst klassisch ausgebildet, wechselte aber dann das Fach.
Mit ihrer kraftvollen und dunklen Stimme wurde sie eine der einflussreichsten
Vertreterinnen des Folkrevivals, ihre Karriere umfasst über
ein halbes Jahrhundert. Ab den 1950ern beeinflusste sie Harry
Belafonte, Joan Baez und Bob Dylan,
der einmal zu Protokoll gab, dass er ohne sie nicht zum Folk gefunden
hätte. Zentral in ihrem Repertoire waren die Lieder der Farmer
und Minenarbeiter, die Songs der Sklaven, genauso wie die der Wäscherinnen
und Hausfrauen. Dabei verstand sie es wie keine andere, sich in
die Person hineinzuversetzen, deren Geschichte sie erzählte.
Meilensteine ihrer Plattenkarriere waren die Liedsammlungen „Odetta
Sings Ballads & Blues“ (1956) und „At The
Gate Of Horn“, auf der ihre weltbekannte Version von „He’s
Got The Whole World In His Hands“ zu finden war.
In den 1960ern veröffentlichte sie außerdem ein bekanntes
Album mit Dylan-Covers. Odettas erklärtes Anliegen war es,
der afro-amerikanischen Bevölkerung ihren Stolz zurückzugeben.
Im August 1963 sang sie beim Marsch der Bürgerrechtsbewegung
in Washington. Im gleichen Jahr wurde sie für ihre Platte „Odetta
Sings Folk Songs” für den Grammy nominiert, was sich
1999 und 2005 für weitere Alben wiederholte. 1999 ehrte sie
Präsident Clinton mit der National Medal Of
Arts. Bis zuletzt sang Odetta mit ungebrochener Stimmkraft, obwohl
sie im Rollstuhl saß. Einen letzten Triumph kann sie nun nicht
mehr erleben: Am 20. Januar sollte sie bei Barack Obamas
Inauguration singen.
|