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Jazz thing 76

In Memoriam Miriam Makeba
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17.11.2008
 
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20.10.2008

Miriam MakebaSeit Jahren hatte sie immer wieder ihren Abschied von der Bühne angekündigt. Nun ist sie ebendort gegangen: Die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba starb am Abend des 9.November im Alter von 76 Jahren unmittelbar nach einem Wohltätigkeitsauftritt im süditalienischen Castel Volturno an einem Herzinfarkt.

Die kräftige, modulationsreiche Stimme der jungen Xhosa-Frau kam ab den 1950ern zur Geltung, vor allem mit dem Frauentrio The Skylarks. Ihre Solokarriere begann, als sie 1959 vom US-Filmer Lionel Rogosin für einen Auftritt in einer Anti-Apartheid-Dokumentation engagiert wurde. Um den Streifen zu promoten, verließ sie ihre Heimat, erfuhr buchstäblich binnen Wochen einen unglaublichen Aufstieg zu internationaler Popularität. Harry Belafonte erschloss ihr als Mentor Auftritte in Los Angeles und New York, wo sie vor Jazzgrößen wie Duke Ellington und Miles Davis auf die Bühne ging. Als sie in Übersee mit dem neu gewonnenen Selbstbewusstsein begann, die Unterdrückung ihres Volkes anzuprangern, verweigerte ihr das heimische Konsulat die Rückreise: Eine Verbannung, die 30 Jahre währte.

In den USA strebte ihre Gesangskarriere derweil von Gipfel zu Gipfel: Sie verkehrte mit allen wichtigen Jazzern, tourte intensiv mit Belafonte und sang 1962 auf der Geburtstagsparty von J.F. Kennedy das berühmte Wimoweh. 1963 sprach sie erstmals vor der UNO und verlangte den Boykott des Apartheid-Regimes, was ihr Plattenzensur in der Heimat einbrachte. Die längste Zeit des Exils verbrachte sie in Afrika: Zwar bescherten ihr die USA für das Duo-Album An Evening With Miriam Makeba And Harry Belafonte einen Grammy und mit dem schlichten Tanzlied „Pata Pata“ den ersten US Top Ten-Hit einer afrikanischen Sängerin. Doch als sie eine Liaison mit dem Bürgerrechtler Stokely Carmichael einging, folgten Beschattungen und Kündigungen aller Engagements auf dem Fuße. Sekou Touré gewährte 1969 Asyl in Guinea.

Vom neuen Stützpunkt aus erweiterte Makeba ihre politischen Aktivitäten, entwickelte ein von Protestliedern gespicktes Repertoire in einem zeitgemäßen, funky Kleid. Überhaupt zeigte sich ihr Sound wandlungsfähig: Von folkigem Ton, über Jazz und brasilianische Tupfer bis zu breitwandigem Pop erstreckte sich ihr Spektrum über diese Jahrzehnte. Ihre weltweiten Auftritte wurden schließlich durch die Teilnahme an Paul Simons „Graceland“-Tour gekrönt. 1990 bat Nelson Mandela sie nach Hause zurück.

In den Postapartheids-Jahren setzte sich vor allem das Bild der „Mama Afrika“ durch. Musikalisch mochte sie den Anschluss an die Aktualität verpasst haben, politisch hat sie unermüdlich weitergekämpft: Für Menschen- und Frauenrechte und mit der Gründung von NGOs, wofür sie in den letzten Jahren etliche Auszeichnungen erhalten hat. 2000 gelang ihr mit „Homeland“ nochmals ein schönes Album, an dem Lokua Kanza mitproduziert hat. Nicht nur die Weltmusik-Szene trauert um eine Grande Dame mit Familiensinn und Löwenherz.

 
Miriam Makeba starb mit 76 Jahren am 9. November 2008.