Seit
Jahren hatte sie immer wieder ihren Abschied von der Bühne
angekündigt. Nun ist sie ebendort gegangen: Die südafrikanische
Sängerin Miriam Makeba starb am Abend des
9.November im Alter von 76 Jahren unmittelbar nach einem Wohltätigkeitsauftritt
im süditalienischen Castel Volturno an einem Herzinfarkt.
Die kräftige, modulationsreiche Stimme der jungen Xhosa-Frau
kam ab den 1950ern zur Geltung, vor allem mit dem Frauentrio The
Skylarks. Ihre Solokarriere begann, als sie 1959
vom US-Filmer Lionel Rogosin für einen Auftritt in einer Anti-Apartheid-Dokumentation
engagiert wurde. Um den Streifen zu promoten, verließ sie
ihre Heimat, erfuhr buchstäblich binnen Wochen einen unglaublichen
Aufstieg zu internationaler Popularität. Harry Belafonte
erschloss ihr als Mentor Auftritte in Los Angeles und New York,
wo sie vor Jazzgrößen wie Duke Ellington und Miles Davis
auf die Bühne ging. Als sie in Übersee mit dem neu gewonnenen
Selbstbewusstsein begann, die Unterdrückung ihres Volkes anzuprangern,
verweigerte ihr das heimische Konsulat die Rückreise: Eine
Verbannung, die 30 Jahre währte.
In den USA strebte ihre Gesangskarriere derweil von Gipfel zu Gipfel:
Sie verkehrte mit allen wichtigen Jazzern, tourte intensiv mit Belafonte
und sang 1962 auf der Geburtstagsparty von J.F. Kennedy das berühmte
Wimoweh. 1963 sprach sie erstmals vor der UNO und verlangte den
Boykott des Apartheid-Regimes, was ihr Plattenzensur in der Heimat
einbrachte. Die längste Zeit des Exils verbrachte sie in Afrika:
Zwar bescherten ihr die USA für das Duo-Album An Evening With
Miriam Makeba And Harry Belafonte einen Grammy und mit dem schlichten
Tanzlied „Pata Pata“ den ersten US Top Ten-Hit einer
afrikanischen Sängerin. Doch als sie eine Liaison mit dem Bürgerrechtler
Stokely Carmichael einging, folgten Beschattungen
und Kündigungen aller Engagements auf dem Fuße. Sekou
Touré gewährte 1969 Asyl in Guinea.
Vom neuen Stützpunkt aus erweiterte Makeba ihre politischen
Aktivitäten, entwickelte ein von Protestliedern gespicktes
Repertoire in einem zeitgemäßen, funky Kleid. Überhaupt
zeigte sich ihr Sound wandlungsfähig: Von folkigem Ton, über
Jazz und brasilianische Tupfer bis zu breitwandigem Pop erstreckte
sich ihr Spektrum über diese Jahrzehnte. Ihre weltweiten Auftritte
wurden schließlich durch die Teilnahme an Paul Simons „Graceland“-Tour
gekrönt. 1990 bat Nelson Mandela sie nach
Hause zurück.
In den Postapartheids-Jahren setzte sich vor allem das Bild der
„Mama Afrika“ durch. Musikalisch mochte sie den Anschluss
an die Aktualität verpasst haben, politisch hat sie unermüdlich
weitergekämpft: Für Menschen- und Frauenrechte und mit
der Gründung von NGOs, wofür sie in den letzten Jahren
etliche Auszeichnungen erhalten hat. 2000 gelang ihr mit „Homeland“
nochmals ein schönes Album, an dem Lokua Kanza
mitproduziert hat. Nicht nur die Weltmusik-Szene trauert um eine
Grande Dame mit Familiensinn und Löwenherz.
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