Das
Festival Culturescapes, das jeden Herbst für ein paar Wochen
die Kultur eines Landes in mehreren Schweizer Städten präsentiert,
hat in der diesjährigen, sich der Türkei widmenden Ausgabe
mit einem Paukenschlag der besonderen Sorte begonnen. Die türkische
Regierung trägt die Hälfte der Finanzierung und knüpft
an ihre Beteiligung urplötzlich eine inhaltliche Kontrolle:
So wurde jetzt bekannt, dass die Behörden kurz vor Festivalstart
am vergangenen Samstag den Film „Gitmek“, der die Geschichte
einer kurdisch-türkischen Liebe erzählt, in Basel aus
dem Programm gestrichen sehen wollen – andernfalls werde die
Finanzierung zurückgezogen. Das gleiche gilt für fünf
Essays im Programmheft des Festivals.
Der künstlerische Leiter Jurriaan Cooiman
gab dem Druck nach, da die Culturescapes sonst nicht hätten
stattfinden können. Die Verlautbarung des türkischen Ministerpräsidenten
und Festivalpatrons Abdullah Gül, man wolle
mit Culturescapes den „interkulturellen Dialog“ fördern,
liest sich nun wie blanker Hohn. Der Patron auf Schweizer Seite,
Bundesrat Pascal Couchepin, hatte bislang keinen
Mut zur offiziellen Stellungnahme. Culturescapes läuft bis
zum 6.12. und präsentiert auf musikalischer Seite u.a. ein
Gipfeltreffen von Mercan Dede (Foto) und dem Schweizer
Projekt Stimmhorn. Der strittige Film (im Vergleich
zu anderen, nicht beanstandeten Streifen ist es eine harmlose Romanze)
läuft nun inoffiziell, die gestrichenen Essays sorgen für
weiße Seiten im Programmheft.
www.culturescapes.ch
|