Bisher
wurde das Bossa-Jubiläum in Brasilien selbst eher marginal
gehandhabt, in den USA gibt es nun Anzeichen, dass man das Genre
der Bürgerjugend würdigen will. Blue Note stellt drei
neue Alben vor, die sich zumindest ein wenig um den eleganten Rhythmus
ranken. Zum einen überrascht ein unorthodoxes Teamwork des
eher Bossa-unbeleckten Milton Nascimento (Foto)
mit den direkten Erben: Paulo und Daniel Jobim
(Sohn und Enkel) nebst Drummer Paulo Braga haben sich mit der Música
Popular-Ikone auf „Novas Bossas“ zusammengefunden, um
eine Mischung aus Standards wie „Brigas Nunca Mais“
oder „Inútil Paisagem“ und Klassikern aus den
1970ern aus Miltons Umfeld zu interpretieren. Nascimentos Stimme
im Bossa-Kontext: Spannende Reibungsflächen.
Neo-Bossa-Meister Celso Fonseca reiht sich in die
Gratulanten ein: Seine Veröffentlichung „Feriado“
paart die Bossa mit den Grooves des 21.Jahrhunderts. Die eher alte
Schule verfolgen Gitarrist Roberto Menescal mit
der eine Generation jüngeren Sangespartnerin Leila
Pinheiro: „Agarradinhos“ lässt die intimen
Dialogmomente der Bossa-Historie erneut aufblühen. Überflüssig
hingegen die 3 CD-Box „Blue Note Plays Bossa Nova“ –
hier begegnen wir ausnahmslos wiederveröffentlichten Tracks
des Labels, z.B. von Lou Rawls, über Donald Byrd bis Bobby
McFerrin, die spartanisch aufgemacht sind und mit Booklet-Infos
geizen. Für ein halbes Jahrhundert Bossa hätte man sich
da wirklich mehr Mühe geben können. Weitere Re-Issues
auf Blue Note umfassen auch Samba, MPB und Funk.
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