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Jazz thing 75

Amparanoïa . Sag zum Abschied laut „Adiôs“ [2/2]
 

„Ich denke, das war eine Rechnung, die Amparanoïa noch offen hatte. Als mich die Remixe erreichten, war das echt sehr bewegend. Weil du siehst, wie die Remixer, die wir kennen und die uns sehr mögen, sich der Lieder je nach Laune angenommen, sie umgestülpt, verändert haben.“

So ist etwa der mit Dani Macaco intonierte, lässige Flamenco-Reggae „Ven“ in seiner beschleunigten, nun tanzbaren Elektrofassung kaum mehr wieder zu erkennen. Ein virtueller Überraschungsgast, eingeschleust vom bulgarischen Geiger der Band, ist der Klarinettist Ivo Papasov im Remix von „Tu A Mí Me Dejas“.

Sehr konkret und oftmals nachhaltig waren dagegen die zahllosen Zusammenarbeiten und gegenseitigen Gastauftritte in den letzten zwölf Jahren. Insbesondere 2007, wo Amparo eine Auszeit der Band unter anderem für die Arbeit an der DVD nutzte und für — wie sie sagt — extrem bereichernde Begegnungen mit so unterschiedlichen Leuten, wie der Saharoui-Sängerin Mariem Hassan, der in Argentinien lebenden Rocksteady-Queen Mimi Maura aus Puerto Rico oder Tiken Jah Fakoly von der Elfenbeinküste. Des weiteren gab es ein Ständchen mit der Reggaeband Locomondo aus Athen, wo Amparanoïa im Juni „Bye Bye“ sagen und die griechischen Kumpels dann mit auf die Konzertbühne kommen werden. Auch Calexico kreuzten bekanntermaßen Amparos Weg, den sie nun, gemäß dem Titel der finalen Veröffentlichung, allein weitergehen wird.

„Ich bin am Suchen, nach einer viel einfacheren Art mich auszudrücken, zu kommunizieren. Dabei gehe ich gewissermaßen zum Anfang zurück oder dahin, was ich im Grunde auch immer gemacht hab: Ich allein mit der Gitarre und vielleicht etwas mehr. Ich merke, dass die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat, ich andere Musiken höre, neue Einflüsse habe und daher andere Lieder machen möchte.“

Und von denen hat die umtriebige Musikerin bereits jetzt etliche neu eingetütet, einige davon gemeinsam mit ihren neuen Freunden aus Arizona. Von den häufig zu Band-Auflösungen führenden Ermüdungserscheinungen ist bei der Amparanoïa-Chefin keine Spur. Allerdings, so gesteht die 38-jährige Mutter zweier Söhne schmunzelnd, wolle sie, die nach drei konzertfreien Monaten Hummeln im Hintern habe, in Zukunft deutlich mehr Raum für ihr Privatleben freischaufeln. Doch als Melomanin, die Amparo Sánchez nun mal ist, wird die Musik immer in Sicht- und Hörweite bleiben.

„Etwas anderes als Musik zu machen, kam mir noch nie in den Sinn. Höchstens andere Musik zu machen. Klar, all das, was mit Musikbusiness, Markt, und Geld zu tun hat, ist auch ungut und ganz schön schnell. Aber ich weiß, dass mein Leben der Musik gewidmet ist, dass ich nun mal mit ihr verheiratet bin.“

Lacht und zeigt auf das kleine Konterfei von Billie Holiday auf ihrem Fingerring.

Text: Katrin Wilke

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Feature: Amparanoïa. Sag zum Abschied laut „Adiôs“