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Neben den Helden aus New Orleans gilt Edith Piaf als großes Idol des kapriziösen Sängers. Er hat mal „Les Amants“ für ein Piaf-Tribut-Album aufgenommen und das Cover zum Mink-DeVille-Album „Where Angels Fear To Treat“ ist einem berühmten Bühnenfoto der Piaf nachgestellt. Eine französische Chansonette als Vorbild für einen „Bluessänger“, das ist schon ungewöhnlich!
„Nein eigentlich nicht. Viele sagen ja, die Piaf sei das französische Gegenstück zu Billie Holiday. Im Film versucht man ja auch einen Bezug herzustellen. Wenn du aufmerksam die Szene ansiehst, wo sie in New York im Studio sitzt, kannst du ein großes Portrait von Billie an der Wand sehen. Ehrlich gesagt, Edith Piaf hat mich schon beeindruckt seit ich sie 1963 das erste Mal gehört habe. Da war ich gerade einmal 13 und es war kurz vor ihrem Tod. Die Intensität, mit der sie gesungen hat, die Kraft, die sie bei aller Zerbrechlichkeit und Verzweiflung ausströmte, all das hat mich sofort beeindruckt. Ich habe mir gestern erst wieder den Film über sie angesehen. Ich hatte ja die Ehre mit Charles Dumont zusammenarbeiten zu dürfen. Dumont hat ja viel für Edith geschrieben. Er hat mir natürlich viel über sie erzählt. Im Film sind einige Dinge nicht ganz richtig, aber für die Dramaturgie des Films ist es ganz in Ordnung gewesen. Ja, „La Vie En Rose“ ist ein guter Film. “
Apropos Film. Jüngst hat auch Quentin Tarantino einen Song Willys für seinen Soundtrack zu „Dirty Road“ verwendet. Das sichert zumindest die Rente.
„Insgesamt habe ich mit Hollywood ja gar nicht so schlechte Erfahrungen gemach. Ich habe zum Soundtrack zu William Friedkins ´Cruising´ ein paar Songs beigesteuert. Der Streifen ist zum Kult-Film geworden. Stell dir vor, 1986 bin ich sogar für meinen Beitrag zu „The Princess Bride“ für den Grammy nominiert worden. Damals durfte ich bei der Grammy-Show eine Nummer mit Little Richard singen. Es war aber leider das Jahr von ´Dirty Dancing´, da hatte selbst mein von Mark Knopfler produzierter Beitrag nicht den Hauch einer Chance. Und jetzt das mit Tarantino ist schon cool. Gut für die Tantiemen“, lacht DeVille schallend.
Als coole Rampensau hätte er sicherlich auch einen passablen Schauspieler abgegeben, aber abgesehen von einigen Kurzauftritten in einer Fernsehserie, zwei schlechten Mickey Rourke-Filmen und die Rolle in der flachen deutschen Krimikomödie „Va Banque“ (1986) — dort spielte er immerhin neben dem späteren Außenminister Joschka Fischer, Rolf Zacher und Musikerkollegen wie Kevin Coyne, Rio Reiser und Achim Reichel — steht da nichts Bemerkenswertes auf der Habenseite. „Besorg mir einen Agenten. Ich glaube auch, dass ich ein guter Schauspieler wäre. Aber ganz im Ernst, da ist der Zug längst abgefahren. Schade eigentlich.“
In Europa, besonders in Frankreich, den Benelux-Ländern und Deutschland hat DeVille die treuesten Fans, aber auch hier war es zwischen dem glamourösen Shouter und dem Publikum nicht die große Liebe auf den ersten Blick. Mit der großen Rockpalast-Eurovisionssendung 1981 sollte Willy seinen Durchbruch schaffen, so war es geplant gewesen. Doch die Live-Übertragung in 14 europäische Länder schien zum Desaster zu werden. Mink DeVille - unter diesem Namen firmierte er damals noch — wurde vom Publikum ausgepfiffen. Willys Erklärung: „Wir waren zu sehr Avantgarde“, und seine Stimme näselt plötzlich so hochnäsig und arrogant, als wäre es gestern gewesen, als er mit dem Zahnstocher zwischen den Zähnen, in feinen Zwirn gehüllt, wie eine Mischung aus eitlem Vorstadtganoven und überkandidelter Diva über die Bühnenbretter in der Grugahalle stolzierte.
„Aber ganz im Ernst, die Musik und all das Drumherum, das war wirklich zu avantgardistisch für die Zeit und den Ort. Dem Publikum hatte man einen schwitzenden New Yorker Rhythm&Blues - und Soul-Act avisiert, so etwas wie Southside Johnny oder gar Bruce Springsteen. Mit den Latino-Einflüssen, mit Reggae, Jazz und sogar Zydeco-Sachen konnten die Leute in der Halle dann herzlich wenig anfangen. Dass ich dann auch noch eine Show abziehe, darauf schienen die Leute gar nicht vorbereitet. Ehrlich gesagt, habe ich damals auch gar nicht darauf geachtet, was da abging. Wir haben damals unser Ding durchgezogen. Was hätte ich auch tun können. Beleidigt den Schwanz einziehen? Nein, das wär’s nicht gewesen, schließlich fanden uns ja auch einige Leute gut.“
Bei den Leuten, die das Spektakel an den Fernsehern verfolgten, kam der schlaksige Entertainer sogar ganz gut rüber, denn fortan hatte er in Europa eine größere und vor allem viel treuere Fangemeinde als in seiner Heimat, wo er allenfalls unter Musikerkollegen geschätzt wird. In den Staaten sind seine Platten der letzten zwei Jahrzehnte allenfalls als Importe aus Europa zu bekommen.
Text: Uwe Meyer
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