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Jazz thing 71
Nummer 71
November 2007 - Januar 2008

Eastenders . Pfade nach Osten [2/3]
Eastenders
Fotos: Isa Schäfer
 
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Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen euch beiden?

Buldak: Stefan hat das DJ-Gehör, die Cluberfahrung und durch seine ganzen Interviews als Radiomoderator ist er auch nah an der Szene dran. Ich bin eher derjenige, der mit der Gitarre da sitzt und Samples oder eine bass line sucht. Treffen tun wir uns erst beim letzten Schritt, beim Arrangement und diskutieren dann, welchen Weg wir zusammen einschlagen.

Nach meinem Eindruck ist die Asian Underground-Bewegung, wie sie damals durch euch mit den „Indian Vibes“ auch in Frankfurt etabliert wurde, in Richtung eines kommerzielleren Bollywood-Hypes abgewandert. Empfindet ihr das auch so, und wenn ja, bedauert ihr diese Verschiebung?

Müller: Vor zehn Jahren im Club haben wir per Video-Beamer schon diese Bollywoodclips gezeigt, die wir im indischen Laden für drei Euro gekauft haben. RTL 2 ist in Deutschland eher spät dran. Es hat sich alles in den offiziellen Mainstream verlagert, was die Filme angeht. Wenn es um Musik geht, liegt der Fall schwieriger. Anfangs konnten die Leute, die wir in den Club einluden, mit Bhangra nichts anfangen, weil ihre Eltern das immer gehört hatten. Sie wollten was Neues, Frisches machen, Drum’N’Bass. Diese Art von Underground existiert übrigens in London jetzt wieder in der Form von Dub Step, ein Thema, was aber in Deutschland noch nicht so durchstartet. Die Partys selbst verlagern sich Richtung indischer R&B, denn da gehen ja Leute hin, die aus der Black Music und HipHop-Szene kommen. Das war ja auch schon in den Panjabi-Tracks angelegt, das war ja im Prinzip Black Music mit dem HipHop-Rhythmus. Auch M.I.A. ist eher auf dieses Publikum ausgerichtet, obwohl sie mit dieser neuen Bricolage-Technik arbeitet.

Wie wichtig ist die Balkan-Szene für euch, die ja mit Shantel den prominentesten deutschen Vertreter in Frankfurt hat, und an der ihr auch durch die Gypsy Groove-Tour von Putumayo teil hattet? Ist das ein Hype oder wird es anhalten?

Müller: Es wir jetzt gerade eine Diskussion aufgemacht, ob die traditionellen Sachen eine höhere Halbwertszeit haben als die Remixe, oder ob die Remixe eine Verwässerung darstellen. Im Prinzip ein altes Streitthema. Wir waren diesen Sommer auf dem ungarischen Sziget-Festival, und da gibt es neben Dutzenden Bühnen eine Roma-Bühne, auf der erst traditionelle Gruppen spielen, danach legen die DJs auf, und das mitteleuropäische junge Publikum geht zu beiden Sachen ab. Es gibt keinen Grund, diese Sachen auseinander zu dividieren. So stelle ich mir die europäische Zukunftsmusik vor, und die kommt aus östlicher Richtung!

Buldak: Der positive Nebeneffekt für mich: Einige Stücke, die ich noch nicht gekannt hatte, habe ich dort erstmals von DJs ganz gehört. Und von dem Hype lasse ich mich nicht beeinträchtigen, die traditionellen Stücke werden bleiben.

Cem, du trittst unter dem Pseudonym „Afrit“ auf, was bedeutet das?

Buldak: Ich habe nach einem Wort gesucht, das sich schön anhört. Das Türkische in mir glaubt an Schicksal und ich hatte das Wort in Holland gesehen, die Ausfahrten waren so betitelt und das fand ich lustig. Später habe ich herausgefunden, dass das Wort im Arabischen auch die Geister von Ermordeten bezeichnet, die aufstehen, um sich zu rächen. Doch das konnte mich nicht davon abhalten, den Namen weiter zu verwenden.

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Feature: Eastenders. Pfade nach Osten