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Jazz thing 71
Nummer 71
November 2007 - Januar 2008

Eastenders . Pfade nach Osten [3/3]
Eastenders
Fotos: Isa Schäfer
 
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Wie äußert sich deine Beziehung zur türkischen Musik, hast du bestimmte Vorlieben, geographisch und stilistisch gesehen?

Buldak: Es hat sich sehr gewandelt in den letzten Jahren, gerade auch mit dem ersten Eastenders-Album, mit dem ich einiges verarbeitet habe. Ich habe die türkische Musik immer als Sehnsuchtselement in mir getragen. Bis zu meinem vierten Lebensjahr bin ich in der Türkei gewesen und habe natürlich auch viel mitgebracht. Unter anderem mein Lieblingsstück, das wir dann im Sample von „Vino Vino“ verarbeitet haben. Die Originalversion davon war ein supertolles türkisches Lied, von Melih Kibar, der hat viel Filmmusik gemacht, unter anderem für den Comedy-Film „Hababam“ und ist vor zwei Jahren leider verstorben. Zur türkischen Popmusik, die zur Zeit produziert wird, habe ich nicht so den Zugang, auch nicht die progressiven Sachen. Die sind eher interessant, wenn man sich vorher nicht so mit dieser Musik beschäftigt hatte; aus dem europäischen Blickfeld ist das interessanter, als wenn man vorher den Erfahrungshorizont schon hatte. Ich kenne eben die Wurzeln, mit denen ein Mercan Dede arbeitet und denke mir, dann höre ich lieber das Original an.

Als ich Kind war, hat mein Vater immer sehr engagiert gearbeitet in Arbeitervereinen. Es gibt aus meiner Kindheit unzählige Fotos, wo ich auf den Schultern meines Vaters auf irgendwelchen Demos getragen werde. Ich habe da immer Folklore getanzt und war sehr aktiv bei diesen Integrationsfesten.

Wie sind heute deine Connections zur Heimat? Bist du regelmäßig dort und hast auch Kontakte zur dortigen Szene?

Buldak: Zu Ankara nicht, zu Istanbul ja, denn dort ist der Puls. Dort bin ich regelmäßig, um Streicher aufzunehmen. Außerdem betreue ich den HipHop-Künstler Sultan Tunç, der bringt gerade sein zweites Album raus. Deshalb werde ich jetzt nochmals für ein Video runterfliegen.

Und wie sieht es mit deinen Projekten abseits der Eastenders aus?

Buldak: Es gibt einmal „Katjas kleiner Bazar“, eine Punkpop-Band, die sich gerade aufgelöst haben, aber mit der Sängerin arbeite ich jetzt an einem neuen Album, das ist teilweise folkloristisch angehaucht, da es darum geht, dass türkische Streicher auf Akustikgitarren treffen. Das Ganze ist auf Deutsch: Wir wollen eine Liedermacher-Ästethik verfolgen, ich sage immer New German Folk dazu. Das ist klar deutsch geprägt, genau wie ich, ich sehe mich auch viel mehr als Deutschen, nicht als Türken. Ich habe in mir eine Schublade, an der ich mir gut bedienen kann, was die türkische Musik und Kultur angeht. Wenn es aber um Disziplin oder Durchsetzung von Projekten geht, dann schlägt klar das Deutsche in mir durch. In der Türkei könnte ich nicht arbeiten - egal in welchem professionellem Grad du dich bewegst, ist mir das zu leger.

Durch die „Orientation“-Kompilationen seid ihr auch in Istanbul bekannt – wie sind die Reaktionen auf eure Musik in Istanbul?

Müller: Es kulminiert ja alles im Stadtteil Beyoglu, dort spielen sich alle Clubgeschichten ab. Wenn man sich das anguckt, dann hat man den Eindruck, dass da alles supermodern ist, da kommt unsere Musik gut an, wenn ich auflege. Der typische Türkpop hingegen, der ja oft mit House unterlegt wird, der liegt mir nicht so.

Buldak: Meine Erfahrungen in Istanbul sind durchweg positiv. Die Leute spüren den Respekt, den man ihnen entgegenbringt, wenn man ihre Musik integriert.

Zum Schluss zurück in die Heimat: Ist Frankfurt nach wie vor ein gutes Pflaster für Global Dance?

Müller: Wenn man sich mal anguckt, wo die ganzen Musiker aus unserer Liveshow-Umsetzung herkommen, dann ist das in der Tat verstreut über das ganze Rhein-Main-Gebiet bis nach Mainz. Der Raum Frankfurt ist einfach ideal, weil man zum Auflegen überall schnell hinkommt, also ein logistischer Vorteil.

Buldak: Das Rhein-Main-Gebiet als Ballungszentrum ist super, man trifft hier Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen. Man ist aber gleichzeitig auch gezwungen aus dem eigenen Rahmen rauszugucken, rauszugehen und abzuchecken, was passiert woanders. Der Nachteil an Berlin ist vielleicht, dass man dieses Bedürfnis gar nicht hat und in seinem eigenen Kiez drin bleibt

Interview: Stefan Franzen

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Feature: Eastenders. Pfade nach Osten