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Paul St. Hilaire ist ein scheuer Typ. Die Welt draußen macht ihm weniger Angst als die eigene Befangenheit. Die Gefahr, sich festzulegen oder in eine Sackgasse zu geraten, lauert hinter jeder Ecke. Auf seiner Indoor-Insel ist dafür jedoch kein Platz. „Ich höre viel Musik, will mich aber nicht auf bestimmte Künstler festlegen. Sie alle haben ihren Platz in meinem Kopf. Aber ich will keinen Lieblingsmusiker haben. Das würde mich einschränken.“
Das klingt, als wäre St. Hilaire in einem Anflug von Läuterung irgendwann seiner gigantischen Sammlung von Vinyl und anderen Plastik-Konserven überdrüssig geworden. Es verhält sich jedoch ganz anders. „Während meiner Jugend in der Dominikanischen Republik war es nicht üblich, große Plattensammlungen anzuhäufen. Ich befand mich jedoch in der glücklichen Situation, dass mein Nachbar Massen von Schallplatten besaß. Ich konnte jederzeit zu ihm rübergehen und fand, was ich suchte.“
Heute geht Paul St. Hilaire nicht mehr auf die Suche. Er braucht nur entspannt die Beine übereinander zu schlagen und abzuwarten. „Ich arbeite mit allem, was auftaucht. Das kann ich nicht planen. Die Vibes ernähren mein Ohr. Und mit meiner inneren Ruhe, die ich aus der Karibik mitgebracht habe, übersetze ich sie in die Musik, die man auf meinen Alben hört.“
Dass sich St. Hilaire dennoch mit Platten umgibt, hat keine musikalischen Gründe. In einem einzigen Winkel seines Studios hängen sie gleich einem liebevoll geknüpften Gobelin an der Wand. Die Titel und Künstler dürften bestenfalls den Insidern unter den Insidern bekannt sein. Warum also gerade diese Platten? „Weil sie schön sind.“ Und wieder dieses entwaffnende Lächeln, das jedes Nachhaken verbietet. Nach einer kleinen Ewigkeit: „Auch das gehört zu den Eigenschaften von Schallplatten. Sie können schön aussehen.“
Hin und wieder geht der Kreuzberger mit dem sonnigen Gemüt sogar in einen Plattenladen und kauft sich ein Album. „Wenn ich das Gefühl habe, mir fehlt ein wichtiges Stück, dann kaufe ich es mir eben. Aber ich bin kein Sammler. Ich höre es mir an und lasse es irgendwo in meiner Wohnung, meinem Studio oder anderswo liegen.“
Zu CD und Vinyl hat er übrigens ein überraschend unkompliziertes Verhältnis. „Die CD ist viel bequemer. Wenn ich schnell mal was hören will, greife ich gewöhnlich auf die CD zurück. Und ich höre wirklich viele Stile. CDs sind weniger dogmatisch.“
Auf seiner Insel der Träume ist Paul St. Hilaire uneingeschränkter König. Seine CD „Adsom“ ist seine Regierungserklärung. Zurück in der Wirklichkeit des Berliner Alltags hat man jedoch das Gefühl, gerade mit einem Zauberer oder einer Lichterscheinung kommuniziert zu haben. Gibt es hinter jenen tristen Kreuzberger Mauern wirklich jenes tranquile Inselparadies? Oder ist Paul St. Hilaires CD eine Trophäe aus einer anderen Welt?
Text: Wolf Kampmann
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