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Blue Rhythm: Was ist Ihr Zielpublikum bei diesem Film — sind es ausschließlich die Brasilien-Aficionados oder denken Sie, dass der Choro auch ein Publikum begeistern kann, das sich ansonsten noch nicht für Brasilien interessiert hat?
Mika Kaurismäki: Ich denke, dass es auch viele Europäer ansprechen wird, denn der Choro hat ja viel Europäisches, ist eine Mischung aus afrikanischen Rhythmen und europäischen Melodien gewesen. Zuerst haben die Europäer ja nur ihre Musik in Brasilien gespielt und nach 200 Jahren haben sie dann angefangen, die Rhythmen der Indianer und Schwarzen dazu zu mischen. Die Basis ist sehr europäisch und deshalb denke ich, dass es sehr einfach ist für Europäer, die Musik zu verstehen und zu genießen, das habe ich auch bei den Vorführungen des Films gemerkt. Es spricht auch alle Generationen an. Und darin spiegelt sich auch wieder, wie Choro gespielt wird. Du kannst 10 oder 80 Jahre sein, das ist völlig egal. In Japan gibt es zum Beispiel eine unglaubliche Choro-Begeisterung, auch viele Brasilianer gehen dort hin und Workshops zu geben.
Blue Rhythm: Wie sind Sie vom Technischen her an den Film herangegangen — haben Sie durch eine besondere Kameraführung, durch eine besondere Art des Schnitts oder möglicherweise durch eine Nachbearbeitung der Farben versucht, den Film musikalisch zu machen, die Bilder dem Charakter des Choro folgen zu lassen?
Mika Kaurismäki: Meine oberste Priorität war, einen guten Ton zu haben, das hat viel vom weiteren Vorgehen bestimmt. Wenn Du einen guten Ton haben willst, kannst Du nicht einfach irgendwo in einer Kneipe in eine Jamsession reinstürzen und ein oder zwei Mikrofone nehmen. Deshalb musste ich sehr viele Sachen im Vorfeld organisieren. Obwohl es ein Dokumentarfilm ist, wurde alles speziell für den Film produziert. So hatte ich die Möglichkeit, jedem Instrument sein Mikrofon zu geben. Wir haben an jedem Drehtag einen ganzen LKW vom Tonstudio dabei gehabt. Was ich sehr schön gefunden hätte, wenn ich zu den verschiedenen Gruppen hätte gehen können und bei ihnen bei den Partys und so aufnehmen, aber so funktioniert es halt nicht, wenn man einen guten Ton haben möchte. Sogar das große Konzert in Niteroi haben wir nur für den Film gemacht, das hat die Struktur sehr beeinflusst.
Was die Farben angeht, Brasilien ist sehr farbig, da muss man nichts hinzufügen. Meistens habe ich mit zwei Kameras gearbeitet, wenn ich in kleineren Situationen, in kleinerem Umfeld war, das große Konzert habe ich mit fünf Kameras aufgenommen. Es war ein eingespieltes Team, da ich Kameramänner dabei hatte, die ich gut kenne. Auch die meisten der Musiker kannte ich schon vorher gut, eine familiäre Atmosphäre war das, Vertrauen von beiden Seiten — das hat vieles einfacher gemacht. Wir hatten sehr viel Material am Ende und es hat weh getan, viele schöne Sachen rausschneiden zu müssen. Auch viele Musiker, die ich gerne drin gehabt hätte, sind dann rausgeflogen.
Blue Rhythm: Hatten Sie am Anfang schon feste Vorstellungen davon, welche Aspekte des Choro im Film zu sehen und vor allem zu hören sein sollten, also Choro aus Bahia, Choro als Adaption des Samba Canção, Choro als Bossa-Adaption — oder haben Sie da die Regie ein bisschen dem Trio Madeira überlassen?
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