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Sprechen wir über deine Verbindungen zur Sufi-Tradition. Die Sufis glauben, dass der Mensch durch Klang geheilt werden könne. Du hast mal in einem anderen Interview gesagt, dass du mehr an Sound als an Musik interessiert seiest. Ist es auch dein Ziel, mit deiner Musik Menschen zu heilen?
Ich glaube, dass jede Art von Kunst positive Lebensenergie hervorrufen kann. Sowohl die mentale als auch die physische Welt ist auf Schwingung aufgebaut, genau wie der Klang. Du kreierst Wellen, die auf jemanden treffen. Die türkische Kultur kommt in ihrem Ursprung von Zentralasien und hat einen schamanischen Hintergrund, früher gab es ja in dieser Tradition eine Musiktherapie. Von diesem Background bin ich wirklich beeinflusst. Einige Maqams der türkischen Musik wirken auf bestimmte Teil des menschlichen Körpers.
Als DJ und Produzent habe ich immer mehr gemerkt, dass bestimmte Frequenzen bestimmte Teile des Körpers beeinflussen. Im Studio merkte ich, dass das, was spirituell tradiert ist, tatsächlich physisch nachweisbar ist. Wenn ich die Bässe in meinem Soundsystem verstärke, dann wird die Blutzirkulation schneller und der Abdomen wird dadurch beeinflusst, der Serotonin-Spiegel hebt sich und wir werden glücklicher. Ich will damit nicht sagen, dass wir unsere Zuhörer nur glücklicher machen wollen. Nein, wir wollen, dass sie alle Gefühle, Traurigkeit, Aufregung spüren können. Wir wollen, dass sie aus unserem Konzert wie aus einem Film nach hause gehen, dass sie ein sehr persönliches Gefühl haben, einsichtsvoll und positiv. Ich will die Wirkung der türkischen Maqams mit den elektronischen Bestandteilen koppeln, um eine positive Stimmung entstehen zu lassen.
Wir reden dabei nicht explizit über Sufismus, die Essenz dieser Kultur ist zwar in unserer Musik, aber die Leute müssen sie nicht auf der intellektuellen Schiene verstehen. Es reicht, wenn sie sie in ihrem Herzen verstehen. Es ist so, wie die Sufis sagen: Wenn die Worte von deinen Lippen kommen, dann werden sie sich zerstreuen, bevor sie das Ohr des Gegenübers treffen. Wenn sie aber von deinem Herzen kommen, dann treffen sie auch das andere Herz. Die Musik bildet dafür die Brücke, die wir als magisch ansehen.
Der Titel deines neuen Albums Su heißt übersetzt Wasser. Ist das eine Widmung an Istanbul, da die Stadt ja vom Wasser umgeben ist?
Auf jeden Fall. Ich habe drei Alben gemacht. Sufi Dreams von 1995, mein erstes Album, Joruney of a Dervish war das zweite, der Sufi ist also in seinem Traum zu einer Reise aufgebrochen, Seyahatname war dann das Logbuch dieser Reise. Das war ein Triptychon, das damit abgeschlossen war. Dann habe ich mit vier neuen Stücken angefangen. Nar war das erste davon, es bedeutet Granatapfel im Türkischen, aber auch Feuer im Persischen. Su ist nun eine Widmung an Istanbul, die ich ganz in meinem Domizil hier aufgenommen habe. Wenn ich hier bin, benutze ich nie ein Studio, alle Musiker kommen zu meiner Wohnung, von der aus man den Bosporus überblickt, wir trinken und essen zusammen, lassen uns von den Wellen draußen inspirieren und gehen dann nach drinnen, um aufzunehmen. Das war also der zweite Schritt. So wie ich mich jetzt fühle, wird wohl Air das dritte Album werden und mit der Erde werde ich mich auf meinem letzten Werk beschäftigen. Denn von der Erde kommen wir und zu ihr kehren wir zurück.
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