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Jazz thing 51
Magazin für Jazz

Rokia Traoré. Akustischer Seiltanz [7/7]
 

Im Titelstück singen Sie von einem Vogel, der für schlechte Vorzeichen steht - ist das der auf verschiedenen Kontinenten wiederkehrende Mythos vom Todesvogel?

Es ist kein Mythos, sondern ein Glaube Es gibt in unserem Glauben solche Vögel, die ein gutes, und solche, die ein schlechtes Vorzeichen bedeuten. Wenn einem zum Beispiel eine Reise bevorsteht und man hört den Vogel des schlechten Vorzeichens singen, dann bedeutet das: „Verschiebe deine Reise!“ Der Gesang anderer wiederum signalisiert, dass die Unternehmungen unter gutem Vorzeichen stehen. Das ist eine Realität: Leute, die reisen warten auf den Gesang der entsprechenden Vögel, beobachten, ob sie sich auf die Straße setzen.

 

Dies ist eines der Stücke, das sie mit dem Kronos Quartet eingespielt haben. Wie kam der Kontakt zustande? Haben Sie als Vorbild für die Kollaboration vielleicht „Pieces Of Africa“ genommen?

Der Kontakt kam durch meinen Manager zustande, der - weil er wusste, dass ich mich für alle Stilrichtungen interessiere - mir CDs vom Kronos Quartet gegeben hat. Er sagte mir: „Das wird dich interessieren, es ist klassische Musik, aber sehr offen.“ Ich fand es wirklich hervorragend, zuerst habe ich tatsächlich ihre „Pieces Of Africa“ gehört, danach „Black Angels“ und ihre letzte CD „Nuevo“ mit den mexikanischen Einflüssen, und ich fragte mich, ob ich einen Kontakt zu ihnen herstellen könnte. Durch meinen Pressebeauftragten in England, der zugleich ihr Pressemann ist, habe ich ihnen „Wanita“ zukommen lassen. Sie haben reagiert und wir haben uns dann bei mir getroffen, diskutiert und schließlich haben sie akzeptiert, mit mir Aufnahmen zu machen. Ich habe dann angefangen, etwas für sie zu komponieren. Da sie nur Musik vom Blatt spielen, musste ich natürlich alles notieren, ich allerdings arbeite nie nach Noten und war sehr langsam beim Transkribieren meiner Ideen, habe Stimme für Stimme niedergeschrieben, Cello, Bratsche, Geigen und sie dann auf Minidisc aufgenommen. Dann habe ich es einem Arrangeur geschickt, der oft mit ihnen arbeitet und den Satz ausgearbeitet hat. Danach haben wir uns in San Francisco getroffen, sie haben gespielt, während ich in der Kabine stand und live dazu gesungen habe.

 

Über Ousmane Sacko, der mit Ihnen auf „Mariama“ singt, ist es unglaublich schwierig Informationen zu bekommen, ist er ein alter Bekannter von Ihnen?

Ousmane Sacko ist ein alter Bamanan-Griot, der seit fast 20 Jahren keine Musik mehr gemacht hatte. Schon lange wollte ich mit ihm zusammen arbeiten, da ich ihn kenne. Ich habe ihm vorgeschlagen, einen seiner bekanntesten Titel neu zu arrangieren und neue Textzeilen dazuzusetzen. Ousmane beansprucht die Autorenschaft an „Mariama“ für sich, Karkar (Boubacar Traoré, Anm. d. Verf.) ebenfalls. Es ist eine Geschichte aus ihrer Region, sie stammen aus der selben Gegend. Eine Geschichte über eine Waise, deren Schmerz durch Musik geheilt wird. Eigentlich war sie zuerst im Repertoire von Ousmane, danach hat Karkar sie übernommen. Da aber Karkar in Europa vor Ousmane bekannt wurde, hat er es wohl für sich deklariert. Ich habe für Ousmane nun allerdings ein völlig neues Arrangement gemacht, die Melodie ist im Grunde aber die gleiche.

 

Sind die Musiker, die mit Ihnen nun auf Tournée gehen, die gleichen wie auf dem Album?

Alle Musiker, die auf „Bowmboï“ spielen, waren schon mit mir auf Tournee. Zum Zeitpunkt von „Wanita“ waren sie noch nicht so gut, es mangelte einigen an Präzision und so sind sie teils nicht auf dem Album drauf. Das Problem ist, dass ich von ihnen etwas verlangte, was jenseits ihrer bisherigen Gewohnheiten gelegen hatte. Dazu kam, dass ich eine Frau war, und ich kenne keine einzige Frau in Mali, die Arrangements schreibt. Es hat sie geniert, direkt mit einer Frau zu arbeiten. Allmählich haben sie sich daran gewöhnt und nun arbeite ich seit „Wanita“ mit demselben Kreis von Musikern zusammen.

Rokia Traoré, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die anstehende Tour.

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